Pessach 5786 in Bacău - Freiheit, Erinnerung und gelebte Ökumene
Pessach, das jüdische Fest der Freiheit, wurde in Bacău auch in diesem Jahr vom 1. bis 9. April 2026 in einer Atmosphäre der Würde und der interkulturellen Offenheit begangen. Für das Demokratische Forum der Deutschen in Bacău war die Teilnahme am traditionellen Sederabend im Restaurant „Dumbrava“ weit mehr als eine ehrenvolle Einladung. Sie stellte eine Bestätigung eines historisch gewachsenen Miteinanders dar, in dem Minderheiten aktiv zur Bewahrung kultureller und moralischer Werte beitragen.
Befreiung ist ein fortdauernder Prozess. Obwohl zahlenmäßig kleiner geworden, bleibt die jüdische Gemeinschaft in Bacău ein bedeutender Träger kultureller Kontinuität. Der Gemeindevorsitzende, Hainrich Brif, eröffnete die Feier mit dem Gruß „Hag Pesach Kascher veSameach!“ und erinnerte an die tiefere Bedeutung des Festes. Er betonte, dass die biblische Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens kein starres historisches Ereignis ist, sondern ein andauernder Auftrag zur Emanzipation und zur Bewahrung der eigenen Identität in der Gegenwart.
Die zeitliche Nähe zu Ostern ist nicht zufällig. Das Jahr 2026 brachte eine besondere zeitliche Nähe der Frühlingsfeste mit sich. Während das jüdische Pessachfest vom 1. bis 9. April dauert, fiel das katholische und evangelische Osterfest am 5. April mitten in diese Festwoche. Das orthodoxe Osterfest folgt nur eine Woche später am 12. April. Diese zeitlichen Überschneidungen unterstreichen trotz unterschiedlicher Kalendersysteme die gemeinsamen historischen Wurzeln beider Feste sowie die universellen Botschaften von Hoffnung, Befreiung und Erneuerung.
Der Sederabend folgte der überlieferten Ordnung, bei der die rituellen Speisen auf dem Seder-Teller die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar machten. Ein besonders bewegender Moment war das Vortragen der traditionellen Fragen durch die jüngere Generation, das sogenannte „Ma Nishtana“. Dieser Dialog der Generationen ist ein wesentlicher Bestandteil der kulturellen Kontinuität, der auch für die deutsche Minderheit bei der Weitergabe von Sprache, Tradition und Geschichte von zentraler Bedeutung ist.
Die Veranstaltung war weit mehr als eine interne religiöse Feier, sondern bot einen Raum des Dialogs und der gegenseitigen Anerkennung. Neben Vertretern der Lokalverwaltung nahmen Angehörige der armenischen und italienischen Gemeinschaft, der Roma sowie des Demokratischen Forums der Deutschen, vertreten durch Mihaela Brunhuber, teil. Den stimmungsvollen Abschluss bildete der Chor „Shalom“ unter der Leitung von Mariana Herman. Als schließlich alle Anwesenden gemeinsam die traditionelle Hora tanzten, wurde der Geist des Abends für alle spürbar: Einheit in der Vielfalt.
Pessach 5786 in Bacău hat gezeigt, dass geteilte Traditionen Brücken schlagen können. In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spaltungen bot dieser Abend ein starkes Signal für Respekt, Dialog und den gemeinsamen Zusammenhalt in einer pluralistischen Gesellschaft.
Bilder von der Veranstaltung:
Link zu Google Photos von Petru Done: https://photos.app.goo.gl/ZGtQLZZDJhZ8KM9P6
Videos von der Veranstaltung
Link zum Kanal auf Youtube: https://www.youtube.com/playlist?list=PLvXy1cb_aoAWhJSPf5E-wGvsixpqKV1T5
Medienberichte über die Veranstaltung:
Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien 09.04.2026
Artikel von Petru Done
Preluat și pe x.com https://x.com/UniuneaZiarist/status/2039960384140980448
