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Begegnung, Erinnerung und kulturelle Kontinuität

Am Samstag, dem 18. April 2026, wurde das Zentrum für Kultur „George Apostu“ in Bacău erneut zu einem Ort gelebter Gemeinschaft. Das Demokratische Forum der Deutschen in Bacău (FDG) hatte in Partnerschaft mit dem Kulturzentrum zum „Jahrestreffen der Deutschen aus dem Kreis Bacău“ eingeladen.

Die von der Vorsitzende Mihaela Brunhuber organisierte Veranstaltung ist längst mehr als ein traditioneller Termin im Kalender der Minderheit. Ein vielschichtiges Programm verband Kultur mit persönlicher Begegnung. Neben Mitgliedern der deutschen Gemeinschaft aus Bacău, Piatra Neamț und Buhuși nahmen auch Vertreter lokaler Institutionen und anderer Minderheiten teil. Die deutsche Minderheit ist fest in das gesellschaftliche Leben der Region eingebunden. Ihre Aktivitäten sind durch Kontinuität, kulturelle Qualität und Offenheit geprägt.

Den Auftakt bildete die Vernissage der Ausstellung „Der Mensch, das Land, die Ewigkeit“ des Fotografen Toni Pal, Mitbegründer des Fotoclubs Axxa aus Bistrița. Die Ausstellung wurde vom Direktor des Kulturzentrums, Ovidiu Ungureanu kuratiert und zusammen mit Carmen Cobliș eröffnet.  Die Fotografien führen den Betrachter in die ländlichen Räume Siebenbürgens, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart auf stille Weise überlagern. Ungureanu beschrieb die Arbeiten als eine „leise Reise“ durch eine Welt, deren Strukturen zunehmend verschwinden. Die Bilder zeigen Menschen nicht als Inszenierung, sondern als Zeugnisse eines Lebens im Rhythmus von Natur, Arbeit und Tradition.

Toni Pal arbeitet bewusst im Stil der dokumentarischen Fotografie. Seine Motive entstehen nicht im Studio, sondern im unmittelbaren Kontakt mit der Wirklichkeit. Diese Herangehensweise verleiht seinen Bildern eine besondere Authentizität. Der Blick des Fotografen richtet sich dabei weniger auf das Spektakuläre als auf das Wesentliche: Gesten, Gesichter, Licht und Situationen, die eine Geschichte tragen. Seine Arbeiten, die ihn auch über Europa hinaus nach Nordafrika und Lateinamerika führten, zeigen eine wiederkehrende Konstante: den Menschen als verbindendes Element zwischen unterschiedlichen Kulturen. In einer Zeit beschleunigter Bildproduktion wirkt seine Fotografie entschleunigt, beinahe kontemplativ. Die Photoausstellung kann noch bis 27.04.2025 im Kulturzentrum besichtigt werden.

Einen besonderen Akzent setzte die Vorführung des essayistischen Kurzfilms „Was ich zu erinnern glaube“  von Quirin Brunhuber. Der junge Künstler, ehemaliger Schüler des Kunstkollegs (Ballettklasse) in Bacău und Mitglied des Forums, schloss 2021 sein Studium an der Akademie des Tanzes der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim mit einem Master ab und arbeitet heute selbstständig als Film- und Musikschaffender. Derzeit absolviert er ein Zweitstudium der Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste München in der Klasse von Prof. Julian Rosefeldt.

Der Kurzfilm verzichtet bewusst auf eine lineare Erzählweise. Stattdessen entsteht ein Mosaik aus Landschaften, Tanz, religiösen Ritualen und inneren Bildern. Diese fragmentarische Struktur ist programmatisch: Erinnerung erscheint nicht als festes, verlässliches Konstrukt, sondern als etwas Suchendes, Unvollständiges. Bereits der englische Titel des Films „A Dramatic Recount Of What I Think I Remember“ verweist auf diese Unsicherheit. Es geht nicht um das sichere Erinnern, sondern um das, woran man sich zu erinnern glaubt.

Damit berührt der Film eine Erfahrung, die für viele Angehörige der deutschen Minderheit prägend ist. Biografien verlaufen heute häufig zwischen Ländern und Kulturen. Familien sind über Europa verteilt, Lebenswege führen zwischen Rumänien und Deutschland. In diesem Spannungsfeld verändert sich auch der Begriff von Heimat. Er löst sich zunehmend von einem konkreten Ort und wird zu einem inneren Raum aus Erinnerungen, Eindrücken und Emotionen. Der Film nähert sich dieser inneren Heimat auf sensible Weise und verweist auf eine kollektive Erfahrung: das Leben zwischen Welten, das Weitergeben von Erinnerung und die Suche nach Zugehörigkeit.

Ergänzt wurde das Programm durch musikalische Beiträge des Chors „Edelweiss“ des DFD Piatra Neamț sowie durch den Musiker Doru Sascău und den Solisten Mihai Todașcă. Die Darbietungen traditioneller deutscher Musik unterstrichen den kulturellen Rahmen der Veranstaltung und schufen zugleich eine verbindende Atmosphäre.

Das Demokratische Forum der Deutschen in Bacău führt seine Aktivitäten kontinuierlich fort und hat sich als fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Region etabliert. Veranstaltungen wie das Jahrestreffen stehen für Engagement, Erinnerung und die Bereitschaft, Traditionen in die Gegenwart zu übersetzen. In einer Zeit, in der Migration und gesellschaftlicher Wandel viele Gewissheiten infrage stellen, gewinnen solche Begegnungen zusätzliche Bedeutung. Sie schaffen Räume, in denen Vergangenheit und Gegenwart miteinander in Dialog treten. Am Ende bleibt nicht nur die Erinnerung an ein gelungenes kulturelles Ereignis. Es bleibt auch die Einsicht, dass Heimat für viele längst mehr ist als ein geografischer Ort – sie ist ein Geflecht aus Erfahrungen, Bildern und Beziehungen, das in den Menschen selbst weiterlebt.

Bilder von der Veranstaltung:

Link zu Google Photos: https://photos.app.goo.gl/YrqhwfriwttNjMwE9

Videos von der Veranstaltung

Link zum Kanal auf Youtube: https://www.youtube.com/playlist?list=PLmm910CgP1LY61DjhJMl_M0Jc_KNbgiEu

Medienberichte über die Veranstaltung:

Allgemeine Deutsche Zeitung 00.04.2025

Centrul de Cultură „George Apostu”

Journalist Petre Done

2026 04 DF Treffen Deusche Bacau Petru Done